Bootstrampen – wie geht das? Ein praktischer Ratgeber

Immer wieder werde ich gefragt wie das eigentlich mit dem Bootstrampen funktioniert, weswegen ich jetzt mal einen separaten Beitrag darüber verfassen werde den ich dann immer verlinken kann.

Was ist Bootstrampen?

Mit Bootstrampen meine ich im Prinzip Boote per Anhalter zu fahren. Das Prinzip nennt sich im Deutschen auch Hand gegen Koje. Die Boote findet man entweder im Internet, vor Ort im Hafen, oder über Kontakte. Bezahlen tut man dafür in der Regel nur den eigenen Anteil an Essen und Co.

Was für Boote?

Das Prinzip von Hand gegen Koje beruht auf Gegenseitigkeit. Der Bootführer (Skipper) bietet einen kostenlosen Platz auf dem Boot an und im Gegenzug hilft der Tramper beim Segeln und allen anfallenden Arbeiten auf dem Boot.

In der Regel handelt es sich dabei um private Segelyachten, manchmal aber auch um Charterboote, die von a nach b gebracht werden müssen. Oft ist alles von der Luxusyacht bis zum Schrottreifen Boot dabei.

Mein Boot ueber den Atlantik, Eine Bavaria 44

Wie finde ich ein Boot?

Die „Ursprünglichste“ Art ein Boot zu finden ist es direkt im Hafen danach zu suchen. Hierfür sollte man nicht all zu introvertiert sein und einfach das Gespräch suchen. Dabei ist es meiner Erfahrung nach wichtig nicht zu direkt zu fragen ob man mit kann, denn in der Regel ist die Hemmschwelle zu groß einen einfach so mitzunehmen.

Meine Strategie war fast immer die Person (egal ob Skipper Crew oder nur Barkeeper in der Hafenbar) in ein Gespräch zu verwickeln und über deren Situation zu Erfahren, sowie ein bisschen über einen selbst zu erzählen. Dabei wird in der Regel dann sowieso klar, dass man ein Boot sucht. Wenn der andere potenziell Interesse hat wird dieser das äußern. Mit einer direkten Frage ob er einen mitnehmen will zwingt man ihn zu einer Entscheidung was in der Regel nicht hilfreich ist.

Im Endeffekt kommt es darauf an ein bisschen in die Community einzutauchen und die Menschen kennen zu lernen. Wenn die Leute dann wissen das man in Ordnung ist, ergeben sich die Gelegenheiten in der Regel von selbst, oft auch über ein paar Ecken. Um seine Bekanntheit ein bisschen zu  erhöhen eignen sich auch normale Poster die einen kurz und knapp beschreiben.

Neben der Suche im Hafen gibt es auch einige Onlineplattformen, die Suchende und Bootseigner vermitteln. Eine gute deutsche Seite ist dabei Handgegenkoje.de. Dort findet man viele Angebote im deutschen Raum und ein paar im Internationalen.
Findacrew.com ist die bekannteste internationale Seite mit sehr vielen Angeboten. Allerdings ist die Seite als kostenloser Nutzer fast Nutzlos, und einen Beitrag von ca. 60€ finde ich ein bisschen unverschämt.
Abgesehen davon gibt es noch einige andere kleinere Webseiten. Gute Erfahrungen hatte ich bisher mit Crewbay.com, als kostenloser Benutzer wird man nur durch eine Cool-Down Zeit bei Nachrichten eingeschränkt was aber kein großes Hindernis darstellt.
Ein guter Anlaufpunkt sind außerdem deutsche als auch internationale Facebook Gruppen. Hier erreicht man mit ein bisschen kreativität ziemlich einfach viele Menschen.

Muss ich segeln können?

Grundsätzlich nicht, ich habe viele „Bootstramper“ gefunden die noch nie gesegelt sind und ein Boot gefunden haben. Wichtig ist vor allem Sympathie und Verantwortungsbewusstsein. Allerdings macht es den Prozess auf jeden Fall wesentlich einfacher wenn man zumindest ein bisschen Erfahrung vorweisen kann.

Was kostet es?

Üblich ist es, dass man seinen eigenen Teil an den Verpflegungskosten übernimmt. Das heißt die anteiligen Kosten an Nahrung, sowie manchmal auch die für die Marinagebühren und den Diesel. Je nach Lebensstil kann das oft zwischen 5-30€ pro Tag liegen. Manche Eigner sind auch spendabel und man muss nichts zahlen (das Glück habe ich 🙂 ).
Abgesehen davon gibt es auch rein Kommerzielle Angebote, die Kosten dann aber oft um die 1000€ pro Woche.

Routen und Häfen für den Weg über den Atlantik. 

Wenn man wie ich über den Atlantik will ist die beste Anlaufstelle Gibraltar und La Linea in Spanien. Die zwei Häfen liegen nur ein paar Kilometer auseinander und ist für viele Segler der letzte Stopp auf dem europäischen Festland bevor es auf die Kanaren geht.

Auf allen 7 kanarischen Inseln gibt es Häfen die angelaufen werden. Mit Abstand am meisten Boote gibt es in Las Palmas auf Gran Canaria. Allerdings wird man hier auch viele andere Bootstramper finden. Es besteht also eine Gewisse Konkurrenz. Auf den anderen Inseln stehen die Chancen oftmals besser weil man dann alleine Unterwegs ist.
Ein Teil der Boote macht noch einen Halt auf den Kap Verden. Einziger relevanter Hafen ist hier Mindelo.

Wenn man plant über den Atlantik zu segeln sollte man auf jeden Fall auch die Saison dafür beachten. Fast alle fahren zwischen November und Februar rüber. Um nicht zu spät zu sein empfiehlt es sich spätestens Anfang Dezember in Gibraltar zu sein.

So das war es jetzt erst mal. Ich hoffe ich konnte einen guten Überblick geben. Bei Fragen könnt ihr gerne ein Kommentar hinterlassen oder mir schreiben. Wenn ich neue Erfahrungen mache werde ich die auch hier aktualisieren.

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